S-Bahn ins Grauen.

Wir schreiben den  07.11.2015. Das Schmücken und Säubern geht in die letzte Runde. Noch ein Paar Fledermäuse hier, ein Paar Spinnweben dort und der Zug ist bereit.

Um 17:50 Uhr steht er an Gleis 5 bereit und begrüßt unsere Fahrgäste mit einem kräftigen Pfiff und dem Zugziel "Happy Halloween". Viele verkleidete Fahrgäste mit äußerst ausgefallenen und professionellen Gesichtsbemalungen können wir in Empfang nehmen.

Die Abfahrt in Gießen steht bevor.

Pünktlich um 18:02 startet die Fahrt ins Grauen. Nach der Begrüßung, beginnt das kontrollieren der Fahrausweise, die Verteilung der Freigetränke für Fahrgäste in kompletter Verkleidung, sowie der Verkauf von kleinen Snacks und Getränken und des zur Jahreszeit passenden Glühweins.

Die Fahrt verläuft über Butzbach, Friedberg weiter nach Frankfurt West. Nun erreichen wir die heimischen Wurzeln unserer S-Bahn. Mit Blick auf die in der Nacht schimmernde Skyline Frankfurts und die stilvoll beleuchtete Main-Promenade. Weiter geht es auf dem Abschnitt, beginnend ab Frankfurt Louisa in Richtung Langen, auf dem seit bereits ungefähr fünf Jahren keine S-Bahn unseres Typs im Fahrgastverkehr eingesetzt wird. Für erfahrene Fans ist dies eine Rarität, welche man buchstäblich in den begeisterten Gesichtern ablesen kann.

Am vorerst letzten Zwischenhalt Langen, bemerkt man dennoch, dass unser Museumsfahrzeug nicht vergessen ist. Mehrere Fahrgäste, welche auf die planmäßige S-Bahn nach Darmstadt warten, rennen zu uns mit der Aussage "Wir dachten unser Zug fährt auf dem anderen Gleis ein".

Nach der Abfahrt ging es mit dem einzigartigen Surren der Elektromotoren weiter durch den Darmstädter Hauptbahnhof zum Endhalt Darmstadt Eberstadt.

Mit den sehr gut gelaunten Fahrgästen und den an der Spitze laufenden, als Weihnachtsmann und Pokemon verkleideten Gruppenführern, geht es zu Fuß zu dem angemieteten Shuttlebus, welcher uns bis zu den Toren der Burg Frankenstein befördert. Nach einer kurzen Besprechung stürmen alle los. Souvenirstände, heisser Äbbelwoi, Waffeln, Pizza, zur Stimmung passende Musik und vor allem das Portal zu den Monstern sind die Höhepunkte.

Das Grauen kommt erst richtig in Fahrt, wenn man in einen Sarg verfrachtet wird, an ein Folterinstrument gekettet wird oder man schreiend vor einem Monster mit laufenden Kettensäge davon rennt. Vereinzelt stehen Bühnen an denen Shows aufgeführt werden, vor denen die Menschen begeistert stehen bleiben.

Der Abend ist fast vorbei, jetzt bricht die Nacht hinein und für uns wird es Zeit zu gehen. Gesammelt treten wir die Heimreise mit dem Bus an. Am Bahnhof angekommen, ist auch unsere Historische S-Bahn nicht mehr weit entfernt.

Beim Einsteigen bemerkt man die zusätzlichen Lichteffekte, welche eine feierliche Stimmung hervorrufen. Kurz nach Darmstadt Hauptbahnhof begegnen wir einer heutigen S-Bahn welche sich auf dem parallel verlaufendem Gleis, als Leerfahrt in ihr Depot, in Richtung Frankfurt bewegt. Ein unfreiwilliges Wettrennen unter Kollegen könnte man es nennen. In Langen müssen wir uns geschlagen geben und verabschieden die aussteigenden Fahrgäste.

Weiter geht es nach Frankfurt West. Da der Zug am Bahnsteig perfekt positioniert ist, kann man ein wundervolles Bild mit dem im Hintergrund gut erkennbaren Messeturm erzielen. Nach einem Aufenthalt wegen Bauarbeiten an der Strecke setzen wir unsere Fahrt fort und bringen unsere Fahrgäste sicher an ihre Bahnhöfe.

Am letzten Halt in Gießen, können wir uns über eine nahezu reibungslose Sonderfahrt freuen, ohne den Hauch einer Störung an unserer 37 Jahre alten historischen S-Bahn.

 

Nick Zortea